Das hört sich an wie….

Ich habe diesen Satz in den letzten 3 Wochen sehr oft gehört, immer in direkter Anlehnung an irgendeinen deutschen Musiker. Reinhard Mey wurde oft genannt. Auch Herbert Groenemeyer. 
Letzteren kann ich persönlich überhaupt nicht nachvollziehen, aber ebenso wie ich nicht “kontrollieren” kann was für Musik ich mache, kann ich nicht kontrollieren womit sie die Hörer in Relation setzen. Grundsätzlich freut es mich, dass solche großen Künstler genannt werden. Auf der anderen Seite ist es erschreckend zu sehen, wie schnell diese Relation hergestellt wird. 
Als ich “Zoo” geschrieben habe, habe ich gewiss nicht gedacht: “Jetzt schreibe ich mal einen Song, der von Reinhard Mey sein könnte”. Im Hinblick auf das kommende Projekt ist diese Zuordnung ganz besonders spannend für mich, da ich eines absolut nicht kann: Bewusst etwas in eine bestimmte Richtung schreiben. Ich schreibe schlicht und einfach und versuche eine passende Melodie, Akkorde und Struktur zu finden. Wenn ich etwas nur mit Gitarre schreibe, und am Ende mich dann für die Produktion entscheide, stehen zwischen dem Produktionsbeginn und dem Abschluss noch sicher fünf bis zehn Instrumente. Manche werden eingespielt und fallen am Ende vielleicht wieder dem Rotstift zum Opfer. Andere kommen erst kurz vor Schluss hinzu. Ich will damit sagen, ein Song wächst mit jedem Instrument das dazu kommt. Und abgesehen von der Gitarre ist keines bewusst von Beginn an gewählt. 
Warum überlege ich das? Nun, ich frage mich bisweilen einfach, wie Künstler es machen, die einen gewissen Wiedererkennungswert in Ihrer Musik haben. Musiker, deren Musik man erkennt, bevor sie auch nur einen Ton gesungen haben. Ich verstehe das aktuell tatsächlich nicht. Diese Menschen müssen ab der ersten Zeile eine klare Vorstellung von dem haben, was am Ende rauskommen soll. Ich weiß nur, dass ich Gitarre spielen werde und dazu singen werde. Der Rest kommt mit der Zeit. 
Aktuell höre ich wahnsinnig gerne Musicals. Insbesondere “Les misérables”, aber auch “Tanz der Vampire”. Ich werde nun natürlich kein Musical schreiben (dazu fehlen mir die Kenntnisse von ca. 60 weiteren Instrumenten), aber das oben beschriebene, empfinde ich hier ganz besonderes faszinierend. Wie kann es sein, dass jemand nicht nur eine komplette mehrstündige Geschichte in Versen verfasst, diese dann vertont und das obendrein auch noch für ein komplettes Orchester? Ich habe schlicht keine Ahnung. Jemand einen Vorschlag?
Beenden will ich diesen Post mit einer herausragenden Textzeile aus “Les misérables” und dem dazu passenden Video. 


Do you hear the people sing?
Singing the song of angry men?
It is the music of the people
Who will not be slaves again!

When the beating of your heart
Echoes the beating of the drums
There is a life about to start
When tomorrow comes.

EDIT: Das Video wurde von Youtube entfernt! 

2 Kommentare

  1. Will you join in our crusade?
    Who will be strong and stand with me?
    Beyond the barricade
    Is there a world you long to see?

    Then join in the fight
    That will give you the right to be free!

    DO YOU HEAR THE PEOPLE SING?!!!
    usw. usw.

    Schönes Musical.Ich kenne bei mir in der Umgebung leider keinen Ort für Musicals. Wenn Les Misérables mal bei euch irgendwo spielt, sag mal Bescheid. Ich möchte das unbedingt mal sehen

    1. Dass kann ich nicht empfehlen.

      Die spielen die Musicals in der Landessprache. Und deutsch ist einfach keine Sprache für “Revolutions-Musicals”!

      Dafür sind die Wörter für Kampf, Krieg etc. einfach zu hart. Hör es dir mal auf Youtube an. Ist – für mich – sehr schwer zu genießen.

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